September 2019

STARTUP OF THE MONTH.

September 2019

Sulfotools

Sulfotools bietet eine nachhaltige, kostengünstige Technologie für die Herstellung von Peptiden, die in Kosmetika, Therapeutika oder Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden.

Bitte stelle dich kurz vor: Wer bist du, was hast du bisher gemacht und wie kamst du zu Sulfotools?

Mein Name ist Christina Uth und ich bin eine von 2 Geschäftsführern und Mitgründerin von Sulfotools. Davor habe ich in Heidelberg und Darmstadt Chemie studiert und während meiner Promotionszeit Sascha Knauer, den zweiten Geschäftsführer und Mitgründer von Sulfotools, kennengelernt. Im Rahmen seiner Doktorarbeit hat Sascha 2014 eine Zufallsentdeckung (den Grundbaustein unserer Technologie) gemacht. Gemeinsam mit unserem Doktorvater Prof. Dr. Harald Kolmar haben wir darauf basierend die zum Patent angemeldete "Clean Peptide Technology (CPT)" entwickelt, um die Herstellung von Peptidwirkstoffen nachhaltiger, umweltfreundlicher und kostengünstiger zu gestalten.

Wie kam es zur Gründung und was zeichnet Sulfotools aus?

Wir haben zunächst als Drittmittelprojekt (EXIST-Forschungstransfer I) an der Entwicklung der Technologie gearbeitet und schließlich, um diese zu kommerzialisieren, im März 2016 die Sulfotools GmbH gegründet. Seitdem generieren wir Umsätze mit Machbarkeitsstudien und Auftragsforschung für industrielle Kunden und sind im Moment an unserer ersten Finanzierungsrunde, um die Technologie zu skalieren.

Wir bieten eine umweltschonende, kostengünstige, alternative Methode zur Herstellung von Peptiden an. Peptide sind kleine Biomoleküle, die je nach Zusammensetzung ganz unterschiedliche biologische Wirkungen haben. Daher werden sie als aktive Wirkstoffe in einem breiten Spektrum unterschiedlicher Produkte, wie Therapeutika, Kosmetika oder Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt. Der größte Teil der vermarkteten Peptide wird dabei chemisch durch die sogenannte Festphasen-Peptidsynthese (SPPS: solid-phase peptide synthesis) hergestellt, für die Robert Bruce Merrifield 1984 den Nobelpreis erhielt. Nach Stand der Technik, benötigt die Industrie für die chemische Herstellung von Peptiden jährlich zehntausende Tonnen giftiger, umweltschädlicher und in Einkauf und Entsorgung teurer organischer Lösungsmittel. Der Einsatz solcher Lösungsmittel ist mit erheblichen Gesundheits- und Umweltrisiken assoziiert. N,N-Dimethylformamid, das am häufigsten zum Einsatz kommt, ist toxisch, fruchtschädigend und nach der Europäischen Chemikalienverordnung REACH als besonders besorgniserregend eingestuft. Die Entsorgung der Lösungsmittel geschieht teilweise über Regeneration, was aber sehr energieaufwendig ist, oder größtenteils über Verbrennung, wobei riesige Mengen umweltbelastendes CO2 erzeugt werden.

Mit unserer Clean Peptide Technology können wir diese giftigen Lösungsmittel durch Wasser ersetzen und damit die Mengen an Sondermüll und CO2 reduzieren sowie bis zu 50% der Prozesskosten einsparen und damit Nachhaltigkeit mit Kostenoptimierung verbinden.

Es muss dazu aber gesagt werden, dass es in der chemischen Industrie nicht einfach ist, Leute dafür zu begeistern, ein Jahrzehnte lang bestehendes Verfahren zu ändern, nur weil es eine „grünere“ Optimierung dafür gibt. Dies ist ein netter Nebeneffekt, der sich zwar für das Marketing gut ausnutzen lässt, ein zwingender Entscheidungsgrund zugunsten der neuen Technologie ist es definitiv nicht. Hier wird es erst interessant, wenn mit dem neuen Verfahren auch tatsächlich Geld eingespart werden kann. Die Halbierung der Produktionskosten ist zum Beispiel ein entscheidender Faktor und nicht die Einsparung von x-Tonnen CO2. In unserem Fall können wir zum Glück sowohl den ökonomischen als auch ökologischen Aspekt bedienen, so dass wir von verschiedenen Firmen, die in unserem Bereich eine sehr wichtige Rolle spielen, sehr positive Resonanz erhalten haben.

Was fasziniert dich am Gründen und was zeichnet für dich ein erfolgreiches Startup aus?

Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass insbesondere im Chemiebereich Gründen nicht ganz so einfach ist wie in anderen Bereichen, da man z.B. Labore, benötigt, die teuer sind und viele Regularien berücksichtigen muss. Allerdings ist es eine spannende und lehrreiche Erfahrung selbst ein Unternehmen zu gründen, um seine Idee zu verwirklichen und zu vermarkten. Selbst wenn es bei dem ersten Mal nicht klappen sollte, hat man viel gelernt.

Welches Erlebnis war bisher das bedeutsamste bei Sulfotools?

Es gab in den letzten 3 Jahren viele Höhen und Tiefen, es ist schwierig ein Erlebnis hervorzuheben, da alle wichtige Erfahrungen waren.

Was war deine bisher wichtigste Lesson Learned, die du anderen Gründer mit auf den Weg geben möchtest?

Unkonventionelle Lösungen erfordern den Mut sich über althergebrachte Meinungen hinwegzusetzen und Hürden zu nehmen, die auf den ersten Blick vielleicht viel zu hoch erscheinen. Davon sollte man sich aber nicht abhalten lassen. Vor allem ist es wichtig frühzeitig mit potentiellen Kunden/Anwendern zu sprechen, um das Produkt/Technologie dem Kundenbedarf anzupassen und der Nachfrage entsprechend zu entwickeln. Es wird immer Rückschläge geben, also nehmt Hilfe an und lasst euch nicht unterkriegen.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Frankfurt ist für mich....

…ein potentieller neuer Standort, der viel zu bieten hat, sei es kulturell oder auch für Startups.

Was zeichnet Frankfurt als Standort für Startups aus?

Für uns stellt Frankfurt durch seine Chemieparks und Chemie/Pharmaindustrie einen hervorragenden zukünftigen Standort dar. Wir sind bereits in Kontakt mit verschiedenen Vermietern für Labore und würden uns gerne, sobald unsere Finanzierung steht, dort niederlassen. Außerdem ist natürlich die gute nationale und internationale Anbindung durch den Flughafen und den großen Bahnhof von Vorteil und für künftige Mitarbeiter ein attraktiver Ort zu wohnen.

Gib uns bitte eine Empfehlung für einen Blog / eine Newsseite / ein Fachmagazin, das dich (zu Fachthemen) inspiriert?

Es gibt viele spannende Webseiten für Gründer, Gründungsinteressierte oder auch Fachmagazine wie z.B. gruenderszene.de, chemanager-online.com, laborjournal.de oder auch berlinvalley.com. Für uns sind natürlich auch noch die Fachjournale wie Nature, Angewandte Chemie etc. interessant.

Mit welchem Experten würdest du am liebsten einen Tag lang zusammenarbeiten, und warum?

Ich finde es schwierig eine bestimmte Person zu benennen. Es gibt wahnsinnig viele Menschen, die spannende Geschichten zu berichten haben und von denen man viel lernen kann.

Woran sollen sich die Leser dieses Interviews erinnern?

Natürlich an unsere Clean Peptide Technology und dass auch in der chemischen Industrie nachhaltige, umwelt- und ressourcenschonende Prozesse möglich sind, die gleichzeitig sogar noch kostengünstiger sind und somit einen Beitrag in Richtung "grüne Chemie" leisten.

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Frankfurt Forward bringt unter dem Dach der Wirtschaftsförderung Frankfurt Startups und etablierte Unternehmen zusammen. Unter dem Motto „Matching am Main“ verbindet das Projekt bisher getrennte Welten und fördert die Weiterentwicklung von Innovation und Digitalisierung am Standort Frankfurt am Main.

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